kassenpatient

Gibt es Unterschiede in der Behandlung von Kassen- oder Privatpatienten?

Die Leistungen, die die gesetzlich Versicherten bei uns bekommen sind nicht schlechter als die der Privatversicherten.
Wir können z.B. ein Kniegelenk nur richtig oder falsch, gut oder schlecht behandeln.

Worin liegt dann der Unterschied?

  1. Die Einschränkung der Zeit

Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) gibt Behandlungszeiten vor. Richtwert für die Behandlung im Rahmen der Physiotherapie sind 15 – 20 Minuten.

  1. Die Einschränkung der Vergütung

Für die Physiotherapie erhalten wir von der GKV eine Vergütung zwischen 14 – 17 €. Bei zwei Patienten die Stunde ergibt das einen Stundenlohn von 28 € – 34 € brutto.

Natürlich könnten wir auch 3 Patienten pro Stunde behandeln – wollen wir aber nicht, weil wir denken, die Qualität leidet.

Aufgrund der deutlich höheren Erstattung bei den PKV erhöht sich der Zeitfaktor bei Privatpatienten.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit dem Jahr 2001 ihre Vergütungen um insgesamt 7,8% angehoben, dies bedeutet pro Jahr nicht einmal 0,8 %!!
Gleichzeitig werden uns immer mehr Verwaltungsaufgaben zugeordnet, sodass wir ohne zusätzliches Personal nicht mehr alle Vorgaben erfüllen können.
Wir haben eine Prüfpflicht für Ihr Rezept. Fehlende Angaben und Daten auf der Verordnung bedeuten keine Vergütung unserer Leistungen.

  1. Die Einschränkung durch das Gesetz

Es lohnt sich ein Blick ins Sozialgesetzbuch V., um den Unterschied Kassenpatient zu Privatpatient zu verstehen:

Auszug: „Das Leistungsrecht in der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt den Leistungsanspruch des einzelnen Versicherten darauf, dass die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen. Über das „notwendige Maß“ hinausgehende oder unwirtschaftliche Leistungen können die Versicherten nicht beanspruchen, die Leistungserbringer dürfen sie nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen (§ 12 Abs. 1 SGB V).“

  • ausreichend -> bedeutet Note 4 in der Schule
  • zweckmäßig -> ist auch eine Kerze als Beleuchtung
  • wirtschaftlich -> geringster finanzieller Aufwand

Zusammengefasst bedeutet dies: Minimalversorgung als Vorgabe durch den Gesetzgeber!

Verwirrend ist aus unserer Sicht, dass uns seitens der Politik erzählt wird, die Leistungen stehen in einer sehr guten, optimalen Qualität zur Verfügung.
Im Gesetz steht davon nichts!

Über Jahre hinweg gab eine Reform nach der anderen in unserem Bereich. Verbessert hat sich für uns Leistungserbringer nichts – im Gegenteil! Über all die Jahre haben wir versucht, das für unsere Patienten zu kompensieren. Leider müssen aber feststellen, dass eine wirtschaftliche Führung unserer Praxis nur noch zu erreichen ist, wenn wir uns exakt an die Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen halten. Sowohl vom zeitlichen Umfang, als auch hinsichtlich der anderen Vorgaben.

Die Qualität unserer Leistung einschränken – das wollen wir nicht!.

  1. Die Einschränkung der Therapiemaßnahmen

Privatversicherten ist es möglich, mehrere Leistungen zu kombinieren, z. B. Manuelle Therapie, Massage und Fango.

Diese Zusätze wurden für gesetzlich Versicherte stark eingeschränkt…

…und es ist immer nur eine Zusatzmaßnahme möglich, das ist leider nicht zwingend logisch!

  1. Die Einschränkung der Behandlungsmenge

Im Heilmittelkatalog ist festgelegt, dass Ihre Beschwerden nach einer bestimmten Verordnungsmenge gelindert werden.

Bei privat Versicherten läßt sich die Behandlungsmenge dem Therapiefortschritt einfacher anpassen.

Leider müssen sich die medizinischen Berufe an den Heilmittelkatalog halten, wenn sie nicht in Regress genommen werden möchten – und wer will das schon?
Deshalb ist es häufig schwierig ist, sie von einer weiteren Verordnung zu überzeugen.

Nehmen wir als Beispiel ein verletztes Kniegelenk.

Der Kassenpatient bekommt meistens die folgende Verordnung:

  • 6 x Krankengymnastik

Der Privatversicherte hingegen bekommt oftmals die folgende Verordnung:

  • 10 x manuelle Therapie
  • 10 x Elektrotherapie
  • 10 x Eispackung
  • 10 x Manuelle Lymphdrainage -> bei Schwellung

Fazit

Privatversicherte haben die Möglichkeit, eine sehr gute, optimal auf ihr Krankheitsbild ausgerichtete Therapie mit allen nötigen Zusätzen zu erhalten. Das wirkt sich auch auf Behandlungszeit aus. Dies führt zwangsläufig oftmals zu einem anderen und auch besseren Behandlungs- und Genesungsverlauf.